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Braunschweiger Zeitung berichtet über Marius Blümel und NWF PDF Drucken E-Mail
Neue Welt aus Hoffnung und Gerechtigkeit
Der Braunschweiger Marius Blümel arbeitet seit einem halben Jahr in einem Sozialzentrum in Kapstadt – Besuch von Dr. Christian Krause
2.4.05 Von Ann Claire Richter
bz_3.jpgDie Südafrikaner haben ihn poetisch Lavender Hill getauft – den Lavendel-Hügel. Doch dieser Vorort Kapstadts kennt weder duftenden Lavendel, noch gibt’s dort einen Hügel. "Der Name ist schlicht Ausdruck eines Traums und einer Sehnsucht", meint Marius Blümel. Seit einem halben Jahr arbeitet der Braunschweiger in Lavender Hill für die Hilfsorganisation New World Foundation (NWF). Der 35-Jährige ist einer von rund 40 Mitarbeitern in dem Sozial- und Trainingszentrum der NWF. "Für eine neue Welt aus Hoffnung, Gerechtigkeit und Frieden" steht als Untertitel auf den Informationsschriften der Organisation, und Blümel will seinen Beitrag leisten, damit das Motto so schnell wie möglich Realität wird.

Der Diplom-Pädagoge ist vor allem für die Jugendarbeit des NWF zuständig. "Youth Coordinator", nennen sie das in Kapstadt. Blümel ist der einzige Ausländer dort, und gäbe es die offenkundigen Probleme des Landes nicht, er fühlte sich wie im Paradies. Blümel hat ein eigenes Haus für sich, wohnt 400 Meter bz_1.jpgentfernt vom Strand, mag die Bevölkerung und liebt Afrika. "Die Weite des Landes und die Gegensätze, die Vielfalt der Menschen sowie der Pflanzen- und Tierwelt . . .", beschreibt er schwärmend die Ursachen jenes Fiebers, das ihn unheilbar gepackt hat. Doch bei aller Schönheit des Kontinents verliert Blümel die Nöte der Bevölkerung nicht aus den Augen: Armut, hohe Arbeitslosigkeit und die extreme Aids-Rate. Fachleute schätzen: Von den rund 44 Millionen Südafrikanern sind etwa 14 Millionen mit dem HIV-Virus infiziert. Viele Menschen müssen auf engstem Raum leben. "Manchmal hausen ganze Familien mit rund acht Leuten in einer 50 Quadratmeter-Wohnung", berichtet Blümel. Der Stresslevel sei entsprechend hoch, häusliche Gewalt an der Tagesordnung: Prügel gegen Kinder und Frauen, Schläge von Kindern gegen Eltern, wenn sie Geld erpressen wollen für Drogen. Denn nicht wenige Jugendliche sind der Sucht verfallen. Chinesische, italienische und nigerianische Mafia hätten sich den Markt aufgeteilt. "Die haben eine neue synthetische Droge erfunden: Tik Tik. Und die Jugendlichen sterben daran wie die Fliegen", verdeutlicht Blümel das Ausmaß in drastischen Worten. Die NWF versucht, Kindern und Jugendlichen zu helfen, ihren Weg zu finden, bietet Trainingsprogramme für arbeitslose Jugendliche, bildet Jugendgruppenleiter aus. Neben dem hauseigenen Kindergarten gibt es eine Menge Angebote, damit die Jugendlichen nicht auf den Straßen einer Stadt herumhängen müssen, die ihnen nichts bietet. Freizeit-Programm für die Stunden nach dem Schulunterricht und für die Ferien. Die NWFler gehen auch in die sechs Schulen von Lavender Hill, um bz_2.jpgJugendlichen Perspektiven aufzuzeigen, über Aids aufzuklären und sie in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken. "Es ist unvorstellbar: Man hat diesen Menschen jahrelang eingeredet, sie seien minderwertig – und schließlich haben sie es selbst geglaubt." Sie seien es nicht gewöhnt, dass nach ihrer Meinung und ihren Ideen gefragt werde, dass sich jemand nach ihren Wünschen und Träumen erkundige. Blümel will am Heilungsprozess mitwirken. Doch er will nicht besserwisserisch und von oben herab agieren. "Das ist Teamarbeit, und ich versuche, kleine Rädchen zu stellen." Der 35-Jährige sieht sich nicht als Entwicklungshelfer, sondern als Berater. Finanziert wird die NWF nach der Abschaffung der Apartheid maßgeblich vom Evangelischen Entwicklungsdienst. Deren Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Christian Krause, einst Landesbischof der evangelischen Kirche Braunschweigs und nach wie vor Berater des deutschen Bundespräsidenten in Sachen Südafrika, kam jüngst nach Kapstadt zu Besuch, um sich über die Projekte zu informieren. Unterstützung bekommt die NWF aber auch aus Braunschweig direkt: Die evangelisch-reformierte Gemeinde engagiert sich stark für das Sozialzentrum. Bis August 2007 läuft Blümels Vertrag. Auch wenn er erst ein halbes Jahr weg ist, hat er eine Erfahrung verinnerlicht: "Wenn man aus Südafrika zurückkommt, einem Land mit viel Gewalt, dann lernt man den Wert der Sicherheit zu schätzen, wie man sie in Braunschweig vorfindet. Das ist Lebensqualität, die man sich bewusst machen sollte." Samstag, 02.04.2005

Quelle:
http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/3914823/menuid/2048

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