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Erinnern und Versöhnen - Ministerin Wieszorek-Zeul zu Gast bei reformierter Kirche in Leer |
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Voraussetzung für heutige Partnerschaft mit Afrika sei die Verantwortung für die eigene Kolonialgeschichte, sagte die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul, bei einem Besuch in Leer. Die evangelisch-reformierte Kirche hatte die Ministerin im Rahmen des Forums „Kirche und Politik“ am 28. Februar in den Festsaal des Rathauses der Stadt Leer eingeladen. Das Thema lautete „Erinnern und Versöhnen – Deutsch-namibische Zusammenarbeit 100 Jahre nach der Niederschlagung des Herero-Aufstandes in Südwestafrika“. Kirchenpräsident Jann Schmidt erinnerte in seiner Einleitung an die Bremer Afrikafahrt vor 160 Jahren als Beginn der Ausbeutung afrikanischer Länder, der die Mission gefolgt sei. Die Rede, die Ministerin Wieczoerk-Zeul im vergangenen Jahr in Namibia bei der Gedenkfeier an die blutige Niederschlagung des Herero-Aufstandes hielt, habe die Tür geöffnet für einen Prozess der Versöhnung. Insbesondere ihr Satz „Ich bitte Sie im Sinne des Unser-Vater-Gebets um Vergebung unserer Schuld“ habe viel Anerkennung gefunden und sei von der Rheinischen Kirche mit dem Peter-Beier-Preis ausgezeichnet worden. In ihrem Vortrag erinnerte Wieczorek-Zeul an das Leid und die Unterdrückung afrikanischer Völker im Zuge der Kolonisierung und plädierte dafür, diese Vergangenheit nicht aus dem kollektiven Gedächtnis zu streichen. Der Aufstand der Herero im Jahr 1904 sei nur die Spitze des Eisbergs gewesen. Deutsche Kolonialtruppen hätten etwa 65.000 der 80.000 Herero und 10.000 der 20.000 Nama getötet. Der damalige Befehlshaber, General von Trotta, sei des Völkermords schuldig und würde heute vor ein internationales Gericht gestellt und verurteilt, so die Ministerin. Ihre Bitte um Vergebung dieser Schuld sei in Namibia von den Herero angenommen und nach ihrer Rückkehr in Deutschland vom deutschen Bundestag mit Beifall von allen Parteien begrüßt worden. Dennoch brauche die Versöhnung weitere Zeichen und Wiedergutmachung, die der solidarischen Partnerschaft mit Namibia den Weg bereitet. Die Ministerin schlug in diesem Zusammenhang eine stärkere Entwicklungshilfe für Namibia vor, um die Armut zu reduzieren, die Schulbildung zu verbessern und die medizinische Versorgung gerade auch der Kinder und AIDS-Kranken sicherzustellen. „Entwicklungspolitik ist die kostengünstigste Sicherheitspolitik“, so Wieczorek-Zeul wörtlich. Das Forum „Kirche und Politik“ soll nach Aussage von Kirchenpräsident Schmidt zu einer regelmäßigen Einrichtung werden. Es greift Themen auf, die Kirche und Politik gleichermaßen berühren. |