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Offiziell tötet Aids am Kap kaum jemanden. PDF Drucken E-Mail

Südafrikaner verschweigen aus Scham oft die wahre Todesursache...

... berichtet die Frankfurter Rundschau am 11. Januar 2005 angesichts der Bekanntgabe von Nelson Mandela, sein 54-jähriger Sohn Makgatho sei an den Folgen der Immunschwächekrankheit Aids gestorben.

Johannesburg · 10. Januar · Wieder einmal habe Südafrikas Polit-Idol seinem Volk den Weg in die Freiheit gewiesen - in diesem Fall der Freiheit von Verdrängung und Stigmatisierung, sagte Unaids-Direktor Pierre Piot in Genf. Die Entscheidung des früheren südafrikanischen Präsidenten werde dazu beitragen, dass über Aids in Zukunft offener geredet und der verhängnisvollen Pandemie wirkungsvoller begegnet werden könne. Auch in Südafrika lobten Oppositionspolitiker und Kirchenführer die Bekanntgabe Mandelas von als vorbildlich.

Vom HI-Virus infiziert zu sein, ist in weiten Teilen Afrikas noch immer eine Peinlichkeit, die öffentlich nicht angesprochen wird. Obwohl der Immunschwächekrankheit allein am Kap der Guten Hoffnung Tag für Tag rund 600 Menschen zum Opfer fallen, gibt es in den Zeitungen keine Todesanzeige, die als Todesursache Aids angibt. Auch beim Tod von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, von denen gemunkelt wird, dass sie HIV-positiv waren, ist die offizielle Todesursache meist "Lungenentzündung" oder "Atemwegserkrankung". Noch vor eineinhalb Jahren behauptete Präsident Thabo Mbeki in einem Interview, er kenne keinen, der an Aids gestorben sei.

Verschwiegene Krankheit

Die Zahl prominenter Südafrikaner, die ihre Erkrankung öffentlich machten, lässt sich an einer Hand abzählen, darunter der Dramatiker Gibson Kente und ein bekannter Discjockey. Als erster Politiker des Landes gab Oppositionschef Mangosuthu Buthelezi nach der Beerdigung eines Sohnes und einer Tochter im vergangenen Jahr bekannt, dass beide an Aids gestorben seien. So wie Buthelezi konnte auch Nelson Mandela erst nach dem Tod seines Sohnes über dessen Krankheitsursache reden, obwohl er bereits seit Juni 2004 von der Infektion Makgathos wusste. Dessen Familie hatte Mandela jedoch gebeten, nicht öffentlich darüber zu reden.


Die Verdrängung der Epidemie, die allein in Südafrika in den nächsten zehn Jahren sechs Millionen Menschen umbringen könnte, sowie die mit der Krankheit einhergehende Stigmatisierung wird von Experten als einer der Gründe dafür angegeben, dass der Seuche in Afrika so schwer beizukommen ist. In Südafrika kommt erschwerend noch hinzu, dass Regierungschef Mbeki die Existenz des HI-Virus bezweifelt und nur äußerst selten und widerwillig über die Epidemie spricht. Aktivisten werfen der Regierung vor, viel zu zögerlich auf die enorme Herausforderung zu reagieren.


Nelson Mandela hatte sich bereits vor drei Jahren von der Politik seines Nachfolgers abgesetzt, indem er öffentlich zu einer Intensivierung des Kampfes gegen Aids aufrief und dieses Engagement in den Mittelpunkt der Tätigkeit seiner Stiftung stellte. Der inzwischen 86-Jährige bereute öffentlich, dass er der Bekämpfung der Seuche nicht bereits als Präsident Priorität eingeräumt habe: Ihm sei damals geraten worden, das unpopuläre Thema auszusparen.


Auf einer Pressekonferenz sagte Mandela Ende voriger Woche in Johannesburg, mit der Bekanntgabe von Makgathos Todesursache wolle er dazu beitragen, dass HIV/Aids wie jede andere Krankheit betrachtet und behandelt werde. "Nur so können wir das Ruder herumreißen", sagte der unumstrittene Volksheld, dessen Äußerungen hier zu Lande noch immer beispielloses Gewicht zukommt. Makgatho soll am kommenden Samstag in Mandelas Heimatstädtchen Qunu in der Transkei beigesetzt werden.

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